Antrag 171/II/2024 Bekämpfung des Klimanotstandes als Bestandteil der Verfassung

Status:
Annahme

Wir fordern, dass die einschlägigen Staatszielbestimmungen im Grundgesetz und den jeweiligen Landesverfassungen um das Ziel ergänzt werden, dass Bund und Länder ihren anteiligen Beitrag zur Erreichung der weltweiten Klimaziele erfüllen.

 

Die menschengemachte Klimakrise ist ein erwiesener Umstand. Ihre Folgen haben bereits jetzt und in Zukunft Auswirkungen auf unser aller Leben. Ein Fortschreiten der Erderwärmung sowie das Überschreiten von Kipppunkten stellt eine fundamentale und unumkehrbare Gefahr für die Lebensgrundlagen und Freiheitschancen unserer Gesellschaft dar. Dabei steht der Welt und anteilig den Staaten ein nur noch begrenztes Budget zur Verfügung.

 

Das Bundesverfassungsgericht hat in seiner Klimaschutzentscheidung ein Recht und eine Pflicht zum effektiven Klimaschutz hergeleitet. Dem Klimaschutz kommt im Verhältnis zu anderen Rechtsgütern ein umso stärkeres Gewicht zu, wie die unumkehrbare Klimakrise fortschreitet. Es ist daher eine staatliche Aufgabe diesem Menschen verursachten Phänomen entgegenzutreten. Die Verpflichtung wird auch nicht dadurch gemindert, dass ein effektiver Klimaschutz nur international erreicht werden könne. Vielmehr geht auch die internationale Klimapolitik von einem Prinzip der gemeinsamen, aber differenzierten Verantwortlichkeiten aus. Alle Beteiligten müssen damit anteilig die Maßnahmen treffen, um die international und auf wissenschaftlicher Grundlage vereinbarten Klimaziele des Pariser Klimaschutzabkommens zu erreichen. Eine Politik, die von vornherein auf diese Zielerreichung verzichtet, verstößt schon jetzt gegen Art. 20a GG, welcher vorschreibt, dass der Staat die natürlichen Lebensgrundlagen und die Tiere für die zukünftigen Generationen schützt.

 

Allerdings musste das Verfassungsgericht diese Entscheidung auf eine aufwändige dogmatische Konstruktion stützen. Als permanente Zielsetzung ist die Aufgabe Umweltschutz eine nie vollständig erfüllbare Maßgabe. Daher folgen aus Art. 20a GG nur vage Grenzen, wann staatliches Handeln diese Umweltschutzpflicht verletzt.

 

Eine explizite Anerkennung der (anteiligen) Klimaschutzziele stattet diese mit einem unbestreitbaren verfassungsrechtlichen Gewicht aus. Der Verweis auf die völkerrechtlichen Ziele ermöglicht zudem eine quantifizierbare Bewertung, ob das staatliche Handeln einer entsprechenden verfassungsrechtlichen Verpflichtung genügt. Gleichzeitig können die Parlamente den Klimaschutz künftig konkreter und stärker bei der Abwägung mit individuellen Freiheitsrechten berücksichtigen. Der Vorschlag ist daher mehr als Verfassungs-Prosa und Symbolpolitik, sondern räumt dem Klimaschutz den verfassungsrechtlichen Rang ein, den er verdient.

 

Vor diesem Hintergrund muss alles staatliche Handeln vor dem Szenario der Klimakrise in Zukunft daraufhin überprüft werden, ob die lebensnotwendigen Klimaziele (siehe Pariser Klimaschutzabkommen) erreicht werden. Besonders auch die Darstellung des Haushaltes muss mit diesen Zielen in Einklang gebracht werden, sodass alles staatliches Handeln auf seine positive Wirkung auf die Bekämpfung des Klimanotstandes ausgerichtet wird. Alle staatlichen Subventionen und Fördermaßnahmen, sowie gesetzliche Regelungen müssen auf ihre positive Wirkung auf die Bekämpfung der Klimakrise hin überprüft und gegebenenfalls neu ausgerichtet werden. Damit der Staat sein Handeln klarer festschreibt, braucht es ein starkes Signal durch eine Verfassungsänderung in Bund und Ländern.

Empfehlung der Antragskommission:
Überweisen an (Konsens)
Stellungnahme(n):
Stellungnahme der Landesgruppe 2026:
Der Antrag unterstreicht die Dringlichkeit des Klimaschutzes und verweist zutreffend auf die wegweisende Klimaschutzentscheidung des Bundesverfassungsgerichts, die bereits heute eine starke Verpflichtung des Staates zum Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen für zukünftige Generationen aus Artikel 20a des Grundgesetzes ableitet.

Die im Koalitionsvertrag für die 21. Legislaturperiode festgehaltenen Ziele bestätigen das unbedingte Bekenntnis der Bundesregierung zu den deutschen und europäischen Klimazielen, zur Umsetzung des Pariser Klimaabkommens und zum Erreichen der Klimaneutralität bis 2045. Der Vertrag sieht zudem vor, staatliches Handeln, insbesondere auch Haushalte und Fördermaßnahmen, konsequent auf Klimaschutz und CO2-Vermeidung auszurichten.

Die Forderung nach einer weiteren Verankerung von Klimazielen im Grundgesetz ist ein Ausdruck des Wunsches nach höchster Verbindlichkeit. Es gilt zu prüfen, inwieweit eine solche Ergänzung den bereits bestehenden starken Schutzauftrag erweitern oder präzisieren könnte, ohne neue Rechtsunsicherheiten zu schaffen. Die Landesgruppe wird diesen anspruchsvollen Vorschlag aufnehmen und die Debatte über die effektivsten Instrumente zur Gewährleistung des Klimaschutzes weiterhin engagiert führen.
Überweisungs-PDF: