Antrag 228/I/2025 Die Zivilgesellschaft ist die Brandmauer!

Status:
Annahme mit Änderungen

An die sozialdemokratischen Mitglieder des Abgeordnetenhauses:

An die Landesgruppe Berlin der SPD Berlin:

An den Landesvorstand der SPD-Berlin:

An den SPD-Parteivorstand:

 

Die Bundestagsabstimmung am 29. Januar stellt eine Zäsur in der Geschichte der deutschen Demokratie dar. Erstmals seit Gründung der Bundesrepublik wurde ein Bundestags-Antrag einer demokratischen Partei durch die Stimmen einer rechtsextremen Partei angenommen. Die CDU unter Friedrich Merz hat diese Mehrheit weit rechts der demokratischen Mitte in Kauf genommen, um ihren populistischen Kurs gegen Geflüchtete und Schutzsuchende durchzusetzen.

 

Bereits zu Jahresbeginn 2024 – nachdem die Rechercheplattform CORRECTIV die Deportationspläne der rechtsextremen AfD aufdeckte – gab es in der gesamten Bundesrepublik Demonstrationen für die grundgesetzlich verankerten, universellen Menschenrechte und das Asylrecht.

 

Ein Jahr später gingen insgesamt 1,5 Millionen Menschen auf die Straße, diesmal nicht gegen die menschenfeindlichen Bestrebungen der AfD, sondern gegen den Dammbruch und den Populismus der CDU und ihrer gemeinsamen Abstimmung mit Rechtsextremen. Viele zivilgesellschaftliche Organisationen riefen zu eigenen Demonstrationen auf oder schlossen sich den Protesten gegen Populismus, gegen Menschenfeindlichkeit und für demokratische Werte an.

 

Nachdem die CDU/CSU die vorgezogene Bundestagswahl am 23. Februar 2025 trotz des zweitschlechtesten Ergebnisses der Parteigeschichte gewann, stellte die Unionsfraktion am Montag darauf eine Kleine Anfrage im Bundestag, in welcher sie mit insgesamt 551 Fragen die Finanzierung von 17 zivilgesellschaftlichen Organisationen in Frage stellte. Unter diesen Organisationen befanden sich viele, die gegen den Tabubruch der Union protestiert hatten.

 

Diese Anfrage ist nicht nur ein Versuch der Einschüchterung, sondern folgt einer klaren Strategie: Sie übernimmt Narrative rechtsextremer Akteure, um Stimmung gegen Organisationen zu machen, die sich für Demokratie und Menschenrechte einsetzen. Die CDU/CSU setzt dabei bewusst auf die Diskreditierung und finanzielle Schwächung der Zivilgesellschaft, indem sie sie als parteiisch und „nicht neutral“ darstellt.

 

Unter dem Vorwand, die Chancengleichheit wahren zu wollen, unterstellt die Union den zivilgesellschaftlichen Organisationen eine direkte oder indirekte Wahlkampfunterstützung und stellt die Förderungen des Bundesprogramms „Demokratie leben!“ infrage. Durch diese Anfrage sowie vorangegangene und nachfolgende Interviews schafft die CDU eine Einschüchterungskulisse, um die Zivilgesellschaft von ihrem demokratischen Engagement abzubringen.

 

Dies ist kein Einzelfall: Rechtsextreme Netzwerke wie „Ein Prozent“ arbeiten seit Jahren gezielt daran, demokratische Organisationen durch Angriffe auf ihre Gemeinnützigkeit politisch und finanziell unter Druck zu setzen. Dabei werden auch Verschwörungsmythen, welche auch bei Donald Trump, Viktor Orban und anderen autoritären Regierungen zu sehen sind, bedient. Es wird von einer “Schattenstruktur, die mit staatlichen Geldern indirekt Politik betreibt” gesprochen und so die Glaubwürdigkeit der zivilgesellschaftlichen Initiativen untergraben.  Die Strategie dahinter ist klar: Wer sich gegen Rassismus, Antisemitismus und Rechtsextremismus engagiert, soll als „links“ und parteiisch diffamiert werden, um so demokratische Gegenwehr zu schwächen.

 

Solche Einschüchterungsversuche sind in einem demokratischen Staat nicht hinnehmbar!

 

In den laufenden Koalitionsverhandlungen und der folgenden Legislatur des 21. Deutschen Bundestages fordern wir daher eine klare Haltung der SPD-Verhandler*innen zu den Inhalten des SPD-Wahlprogramms und den sozialdemokratischen Werten:

 

  • Die Mittel für die anstehende Förderperiode des Programms “Demokratie leben!” werden nicht gekürzt
  • Das Bundesprogramm verbleibt im Familienministerium
  • Längerfristige Förderperioden über eine Legislaturperiode hinaus werden sichergestellt
  • Die Demokratieförderung des Bundes wird dauerhaft in Gesetzesform verankert
  • Die Liste der gemeinnützigen Zwecke in der Abgabenordnung wird um einen Demokratieförderzweck und um die Förderung der Grund- und Menschenrechte erweitert
  • Es wird im Gemeinnützigkeitsrecht klargestellt, dass sich gemeinnützige Organisationen auch außerhalb ihrer Satzungszwecke zu tagespolitischen Themen äußern, können.
  • Die SPD stellt sich allen Einschüchterungsversuchen der Zivilgesellschaft entgegen, dies gilt insbesondere für die kritische Zivilgesellschaft.

 

Zivilgesellschaftliche Organisationen sind kein politisches Feindbild – sie sind essenziell für unsere Demokratie. Eine starke Demokratie braucht eine starke Zivilgesellschaft. Die SPD muss deshalb entschlossen gegen diese Angriffe Stellung beziehen und sich für eine verlässliche Förderung demokratischer Initiativen einsetzen.

 

Solche Einschüchterungsversuche sind nicht hinnehmbar!

 

Wir fordern daher:

 

  • Die Mittel für die anstehende Förderperiode des Programms “Demokratie leben!” werden nicht gekürzt. Die Projektmittel sollen nicht nur nicht gekürzt, sondern aufgestockt werden
  • Längerfristige Förderperioden über eine Legislaturperiode hinaus werden sichergestellt
  • Die Demokratieförderung des Bundes wird dauerhaft im Demokratiefördergesetz verankert
  • Die Liste der gemeinnützigen Zwecke in der Abgabenordnung wird um einen Demokratieförderzweck und um die Förderung der Grund- und Menschenrechte erweitert
  • Es ist öffentlich klarzustellen, dass sich gemeinnützige Organisationen auch außerhalb ihrer Satzungszwecke zu tagespolitischen Themen äußern können

 

Empfehlung der Antragskommission:
Annahme in der Fassung der AK (Konsens)
Fassung der Antragskommission:

An die Landesgruppe der SPD Berlin im Bundestag

 

Die Zivilgesellschaft ist die Brandmauer!

 

Die Bundestagsabstimmung am 29. Januar stellt eine Zäsur in der Geschichte der deutschen Demokratie dar. Erstmals seit Gründung der Bundesrepublik wurde ein Bundestags-Antrag einer demokratischen Partei durch die Stimmen einer rechtsextremen Partei angenommen. Die CDU unter Friedrich Merz hat diese Mehrheit weit rechts der demokratischen Mitte in Kauf genommen, um ihren populistischen Kurs gegen Geflüchtete und Schutzsuchende durchzusetzen.

 

Bereits zu Jahresbeginn 2024 – nachdem die Rechercheplattform CORRECTIV die Deportationspläne der rechtsextremen AfD aufdeckte – gab es in der gesamten Bundesrepublik Demonstrationen für die grundgesetzlich verankerten, universellen Menschenrechte und das Asylrecht. Ein Jahr später gingen insgesamt 1,5 Millionen Menschen auf die Straße, diesmal nicht gegen die menschenfeindlichen Bestrebungen der AfD, sondern gegen den Dammbruch und den Populismus der CDU und ihrer gemeinsamen Abstimmung mit Rechtsextremen. Viele zivilgesellschaftliche Organisationen riefen zu eigenen Demonstrationen auf oder schlossen sich den Protesten gegen Populismus, gegen Menschenfeindlichkeit und für demokratische Werte an.

 

Nachdem die CDU/CSU die vorgezogene Bundestagswahl am 23. Februar 2025 trotz des zweitschlechtesten Ergebnisses der Parteigeschichte gewann, stellte die Unionsfraktion am Montag darauf eine Kleine Anfrage im Bundestag, in welcher sie mit insgesamt 551 Fragen die Finanzierung von 17 zivilgesellschaftlichen Organisationen in Frage stellte. Unter diesen Organisationen befanden sich viele, die gegen den Tabubruch der Union protestiert hatten.

 

Diese Anfrage ist nicht nur ein Versuch der Einschüchterung, sondern folgt einer klaren Strategie: Sie übernimmt Narrative rechtsextremer Akteure, um Stimmung gegen Organisationen zu machen, die sich für Demokratie und Menschenrechte einsetzen. Die CDU/CSU setzt dabei bewusst auf die Diskreditierung und finanzielle Schwächung der Zivilgesellschaft, indem sie sie als parteiisch und „nicht neutral“ darstellt.

 

Unter dem Vorwand, die Chancengleichheit wahren zu wollen, unterstellt die Union den zivilgesellschaftlichen Organisationen eine direkte oder indirekte Wahlkampfunterstützung und stellt die Förderungen des Bundesprogramms „Demokratie leben!“ infrage. Durch diese Anfrage sowie vorangegangene und nachfolgende Interviews schafft die CDU eine Einschüchterungskulisse, um die Zivilgesellschaft von ihrem demokratischen Engagement abzubringen.

 

Dies ist kein Einzelfall: Rechtsextreme Netzwerke wie „Ein Prozent“ arbeiten seit Jahren gezielt daran, demokratische Organisationen durch Angriffe auf ihre Gemeinnützigkeit politisch und finanziell unter Druck zu setzen. Dabei werden auch Verschwörungsmythen, welche auch bei Donald Trump, Viktor Orban und anderen autoritären Regierungen zu sehen sind, bedient. Es wird von einer “Schattenstruktur, diemit staatlichen Geldern indirekt Politik betreibt” gesprochen und so die Glaubwürdigkeit der zivilgesellschaftlichen Initiativen untergraben.  Die Strategie dahinter ist klar: Wer sich gegen Rassismus, Antisemitismus und Rechtsextremismus engagiert, soll als „links“ und parteiisch diffamiert werden, um so demokratische Gegenwehr zu schwächen.

 

Solche Einschüchterungsversuche sind in einem demokratischen Staat nicht hinnehmbar!

 

Zivilgesellschaftliche Organisationen sind kein politisches Feindbild – sie sind essenziell für unsere Demokratie. Eine starke Demokratie braucht eine starke Zivilgesellschaft. Die SPD muss deshalb entschlossen gegen diese Angriffe Stellung beziehen und sich für eine verlässliche Förderung demokratischer Initiativen einsetzen.

 

Als Sozialdemokratie ist es unsere Aufgabe, dass der Kampf gegen den Rechtsruck nicht nur eine Formel ist, die wir immer wieder wiederholen. Wir müssen auch zivilgesellschaftliche Organisationen im Kampf gegen Rechts aktiv unterstützen.

 

Daher fordern wir

  • Die Mittel für die anstehende Förderperiode des Programms “Demokratie leben!” werden nicht gekürzt. Die Projektmittel sollen nicht nur nicht gekürzt, sondern aufgestockt werden
  • Längerfristige Förderperioden über eine Legislaturperiode hinaus werden sichergestellt
  • Die Demokratieförderung des Bundes wird dauerhaft im Demokratiefördergesetz verankert
  • Die Liste der gemeinnützigen Zwecke in der Abgabenordnung wird um einen Demokratieförderzweck und um die Förderung der Grund- und Menschenrechte erweitert
  • Es ist öffentlich klarzustellen, dass sich gemeinnützige Organisationen auch außerhalb ihrer Satzungszwecke zu tagespolitischen Themen äußern können
Beschluss: Annahme mit Änderungen
Text des Beschlusses:

An die Landesgruppe der SPD Berlin im Bundestag

 

Die Zivilgesellschaft ist die Brandmauer!

 

Die Bundestagsabstimmung am 29. Januar stellt eine Zäsur in der Geschichte der deutschen Demokratie dar. Erstmals seit Gründung der Bundesrepublik wurde ein Bundestags-Antrag einer demokratischen Partei durch die Stimmen einer rechtsextremen Partei angenommen. Die CDU unter Friedrich Merz hat diese Mehrheit weit rechts der demokratischen Mitte in Kauf genommen, um ihren populistischen Kurs gegen Geflüchtete und Schutzsuchende durchzusetzen.

 

Bereits zu Jahresbeginn 2024 – nachdem die Rechercheplattform CORRECTIV die Deportationspläne der rechtsextremen AfD aufdeckte – gab es in der gesamten Bundesrepublik Demonstrationen für die grundgesetzlich verankerten, universellen Menschenrechte und das Asylrecht. Ein Jahr später gingen insgesamt 1,5 Millionen Menschen auf die Straße, diesmal nicht gegen die menschenfeindlichen Bestrebungen der AfD, sondern gegen den Dammbruch und den Populismus der CDU und ihrer gemeinsamen Abstimmung mit Rechtsextremen. Viele zivilgesellschaftliche Organisationen riefen zu eigenen Demonstrationen auf oder schlossen sich den Protesten gegen Populismus, gegen Menschenfeindlichkeit und für demokratische Werte an.

 

Nachdem die CDU/CSU die vorgezogene Bundestagswahl am 23. Februar 2025 trotz des zweitschlechtesten Ergebnisses der Parteigeschichte gewann, stellte die Unionsfraktion am Montag darauf eine Kleine Anfrage im Bundestag, in welcher sie mit insgesamt 551 Fragen die Finanzierung von 17 zivilgesellschaftlichen Organisationen in Frage stellte. Unter diesen Organisationen befanden sich viele, die gegen den Tabubruch der Union protestiert hatten.

 

Diese Anfrage ist nicht nur ein Versuch der Einschüchterung, sondern folgt einer klaren Strategie: Sie übernimmt Narrative rechtsextremer Akteure, um Stimmung gegen Organisationen zu machen, die sich für Demokratie und Menschenrechte einsetzen. Die CDU/CSU setzt dabei bewusst auf die Diskreditierung und finanzielle Schwächung der Zivilgesellschaft, indem sie sie als parteiisch und „nicht neutral“ darstellt.

 

Unter dem Vorwand, die Chancengleichheit wahren zu wollen, unterstellt die Union den zivilgesellschaftlichen Organisationen eine direkte oder indirekte Wahlkampfunterstützung und stellt die Förderungen des Bundesprogramms „Demokratie leben!“ infrage. Durch diese Anfrage sowie vorangegangene und nachfolgende Interviews schafft die CDU eine Einschüchterungskulisse, um die Zivilgesellschaft von ihrem demokratischen Engagement abzubringen.

 

Dies ist kein Einzelfall: Rechtsextreme Netzwerke wie „Ein Prozent“ arbeiten seit Jahren gezielt daran, demokratische Organisationen durch Angriffe auf ihre Gemeinnützigkeit politisch und finanziell unter Druck zu setzen. Dabei werden auch Verschwörungsmythen, welche auch bei Donald Trump, Viktor Orban und anderen autoritären Regierungen zu sehen sind, bedient. Es wird von einer “Schattenstruktur, diemit staatlichen Geldern indirekt Politik betreibt” gesprochen und so die Glaubwürdigkeit der zivilgesellschaftlichen Initiativen untergraben.  Die Strategie dahinter ist klar: Wer sich gegen Rassismus, Antisemitismus und Rechtsextremismus engagiert, soll als „links“ und parteiisch diffamiert werden, um so demokratische Gegenwehr zu schwächen.

 

Solche Einschüchterungsversuche sind in einem demokratischen Staat nicht hinnehmbar!

 

Zivilgesellschaftliche Organisationen sind kein politisches Feindbild – sie sind essenziell für unsere Demokratie. Eine starke Demokratie braucht eine starke Zivilgesellschaft. Die SPD muss deshalb entschlossen gegen diese Angriffe Stellung beziehen und sich für eine verlässliche Förderung demokratischer Initiativen einsetzen.

 

Als Sozialdemokratie ist es unsere Aufgabe, dass der Kampf gegen den Rechtsruck nicht nur eine Formel ist, die wir immer wieder wiederholen. Wir müssen auch zivilgesellschaftliche Organisationen im Kampf gegen Rechts aktiv unterstützen.

 

Daher fordern wir

  • Die Mittel für die anstehende Förderperiode des Programms “Demokratie leben!” werden nicht gekürzt. Die Projektmittel sollen nicht nur nicht gekürzt, sondern aufgestockt werden
  • Längerfristige Förderperioden über eine Legislaturperiode hinaus werden sichergestellt
  • Die Demokratieförderung des Bundes wird dauerhaft im Demokratiefördergesetz verankert
  • Die Liste der gemeinnützigen Zwecke in der Abgabenordnung wird um einen Demokratieförderzweck und um die Förderung der Grund- und Menschenrechte erweitert
  • Es ist öffentlich klarzustellen, dass sich gemeinnützige Organisationen auch außerhalb ihrer Satzungszwecke zu tagespolitischen Themen äußern können
Beschluss-PDF:
Stellungnahme(n):
Stellungnahme der Landesgruppe 2026:
Auf ein Demokratiefördergesetz konnte sich nicht im Koalitionsvertrag mit der Union geeinigt werden, sie lehnt ein solches ab.

Die vorgestellten Pläne der Familienministerin für eine grundlegende Umstrukturierung des Bundesprogramms "Demokratie leben!" besorgen die SPD-Bundestagsfraktion sehr. Im Fokus stehen diesmal nicht die lokalen Partnerschaften für Demokratie oder die Landes-Demokratiezentren, sondern die Innovationsprojekte und die Kooperationsverbünde auf Bundesebene. Beide sollen zum Ende des Jahres 2026 eingestellt werden. Betroffen sind rund 200 Zuwendungsempfänger, darunter viele etablierte Träger wie die Amadeu Antonio Stiftung, HateAid sowie der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND). Zwar wird bislang allgemein in Aussicht gestellt, dass sich die betroffenen Träger auf Grundlage einer neuen Förderrichtlinie erneut bewerben könnten – diese liegt jedoch derzeit noch nicht vor.

Die SPD-Bundestagsfraktion kritisiert die Einstellung der Innovationsprojekte auch deshalb, weil diese auf eine Laufzeit von vier Jahren angelegt sind. Neben der inhaltlichen Kritik wird auch die Gefahr von Förderruinen gesehen. Die Einstellung der Arbeit der Kooperationsverbünde führt zu genau dem, was der Koalitionspartner fälschlicherweise am Status quo kritisiert: einer Verengung der thematischen Vielfalt innerhalb der Demokratiearbeit. Kleinere Träger, z.B. im Feld der migrantischen Selbstorganisationen, sind dadurch in ihrer Existenz bedroht. Das Vorgehen des Ministeriums war weder mit der SPD-Fraktion abgestimmt, noch entspricht es dem klaren gemeinsamen Bekenntnis zum Bundesprogramm im Koalitionsvertrag. Die zuständigen Fachpolitiker sind dazu mit dem Ministerium im Austausch und bestehen weiterhin mit Nachdruck darauf, in die Anpassungen der ab 2027 geltenden Förderrichtlinie einbezogen zu werden.

Die von Ministerin Karin Prien vorgebrachte Begründung, wonach die Programmziele nicht oder nicht nachhaltig erreicht würden, ist nicht tragfähig. Die vorliegenden, wissenschaftlichen Evaluationen belegen vielmehr den Erfolg des Bundesprogramms und bieten keinen Anlass für eine grundlegende Umstrukturierung. Zugleich steht die im Koalitionsvertrag vereinbarte unabhängige Evaluierung weiterhin aus.

Zwar ist es legitim, neue Schwerpunkte zu setzen und es ist richtig, zusätzliche Themenfelder wie digitale Prävention zu stärken. Doch die angekündigte Einstellung der Innovationsprojekte und der Kooperationsverbünde greift tief in die Struktur des Programms ein und verändert dessen Fundament in einer Weise, die der Koalitionsvertrag nicht vorsieht und das in einer Phase, in der Stabilität, Planungssicherheit und Vertrauen von zentraler Bedeutung sind.

Vor diesem Hintergrund hat die SPD-Fraktion sich erneut mit einem Forderungspapier an das BMBFSFJ gewandt. Darin wurden konkrete Vorschläge unterbreitet, wie bestehende Projekte gesichert und zugleich neue inhaltliche Schwerpunkte gesetzt werden können. Zugleich werden die zunehmende Diffamierung der demokratischen Zivilgesellschaft sowie Kampagnen von rechts entschieden zurückgewiesen. Wer das Engagement in Demokratieprojekten pauschal als "linksaktivistisch" diskreditiert, stellt zentrale Pfeiler des demokratischen Gemeinwesens in Frage und muss mit klarem Widerspruch der Sozialdemokratie rechnen. Die größte Herausforderung für unsere Demokratie ist und bleibt der Rechtsextremismus. Das muss auch das Bundesprogramm "Demokratie leben!" abbilden.
Überweisungs-PDF: