Antrag 91/I/2026 Mehr Selbstbestimmung, mehr Innovation, mehr Wirtschaftskraft 

Frauengesundheit ist weit mehr als ein medizinisches Nischenthema: Sie ist eine Frage  von Selbstbestimmung, Gleichstellung und Gerechtigkeit. Dazu führt sie zu wirtschaftlicher  Stärke. Unser Gesundheitssystem behandelt Frauen noch immer zu oft als Abweichung vom  männlichen Standard – mit konkreten Folgen für Versorgung, Forschung und Lebensqualität  für Frauen und FLINTA-Personen.

 

Daraus ergibt sich ein klarer politischer Auftrag: Berlin muss Frauengesundheit konsequent  in den Mittelpunkt stellen – als Fortschrittsprojekt, das individuelle Freiheit stärkt und  zugleich Innovation und Wertschöpfung vorantreibt. In Berlin – Stadt der Frauen – machen  wir Gesundheit als universelles Menschenrecht Wirklichkeit für alle.

 

Die SPD Berlin setzt sich dafür ein, Berlin zur international führenden Metropole für  Frauengesundheit zu entwickeln. Unser Ziel ist eine individualisierte, geschlechtergerechte  Medizin sowie ein ganzheitliches Gesundheits- und Gesellschaftssystem, das  Selbstbestimmung stärkt und gesundheitliche Chancengleichheit schafft. Dazu gehören:

 

  1. Gemeinsam mit der Ärztekammer Berlin werden flächendeckende Fortbildungen zu präventiver Medizin, geschlechtsspezifischen Krankheitsverläufen, reproduktiver Gesundheit sowie Gewaltversorgung etabliert.
  2. Es werden spezialisierte Lehrstühle für Frauengesundheit geschaffen und mit ausreichenden Forschungsbudgets ausgestattet.
  3. Ein Institut für Frauengesundheit wird aufgebaut, das medizinische, technologische und digitale Expertise bündelt und Innovationen – insbesondere unter Nutzung von Digitalisierung und Künstlicher Intelligenz – fördert.
  4. Reproduktive Medizin und Geburtshilfe werden gestärkt mit dem Ziel einer 1:1- Betreuung im Kreißsaal. Wir stärken den Hebammen-Beruf, auch außerklinisch. Dazu gehören mehr Praxisplätze, ein Master-Studiengang Geburtshilfe, eine Bedarfsanalyse und ein Runder Tisch Geburtshilfe. Intersektorale außerklinische Versorgungsstrukturen sowie Babylotsinnen werden ausgebaut.
  5. Der Zugang zu Verhütung wird perspektivisch kostenfrei für alle sichergestellt. Schwangerschaftsabbrüche werden entstigmatisiert, als medizinische Leistung verankert und flächendeckend zugänglich gemacht, indem wir in den von uns gesicherten Beratungsstellen  darauf hinwirken, dass in mehr Krankenhäusern  Schwangerschaftsabbrüche durchgeführt werden. Medikamentöse  Schwangerschaftsabbrüche sollen auch von Hausärzt*innen durchgeführt werden. In  der Aus- und Weiterbildung von Ärzt*innen sollen Schwangerschaftsabbrüche fest  verankert werden.
  6. Gewaltprävention wird systematisch ausgebaut. Berlin schafft ein flächendeckendes Netz aus Präventions-, Schutz- und Versorgungsstrukturen sowie eine zentrale Koordinierungsstelle für Opfer sexualisierter und häuslicher Gewalt. Wir bauen die vertrauliche Spurensicherung aus, so dass diese an allen Notfallkrankenhäusern  durchgeführt werden kann.
  7. Die mentale Gesundheit von Frauen wird gezielt gestärkt, insbesondere durch den Ausbau niedrigschwelliger und barrierefreier Angebote – auch für vulnerable Gruppen wie geflüchtete oder behinderte Frauen. Lebensphasen wie Menstruation,  Schwangerschaft sowie vor und nach der Menopause und frauenspezifische Erkrankungen wie  Endometriose und Adenomyose werden stärker in Forschung, Versorgung und  Aufklärung verankert. Präventive Medizin – einschließlich Impfstrategien, Vorsorge  und Gesundheitsbildung – wird ausgebaut.
  8. Die Arbeitswelt wird geschlechtergerecht weiterentwickelt. Neben zyklus- und lebensphasenorientierten Arbeitsmodellen fördern wir gesundheitsgerechte Arbeitsplätze und betriebliche Gesundheitsstrategien für Frauen.
  9. Frauengesundheit wird systematisch in Schulen, Betrieben und durch Amts- und Betriebsärzt*innen verankert.
  10. Sorgearbeit wird strukturell aufgewertet, gerechter verteilt und stärker berücksichtigt. Wir setzen uns dafür ein, dass unbezahlte Sorgearbeit bei der Berechnung des Bruttoinlandsprodukts berücksichtigt wird. Denn sie schafft gesellschaftlichen Wert.
  11. Frauen werden gezielt in Führungspositionen im Gesundheitswesen und in der Forschung gefördert, um geschlechtergerechte Entscheidungsstrukturen sicherzustellen.
  12. Frauengesundheit wird ressortübergreifender Schwerpunkt der Internationalisierungsstrategie von Berlin und durch entsprechende Maßnahmen in der  Städtediplomatie unterfüttert.
  13. Ein Bericht zur Gesundheitsversorgung von Frauen mit Behinderung wird erstellt.