Antrag 143/I/2026 Gar nicht so mausig: Bekämpfung der Ausbreitung der invasiven Mäusegerste in Berlin

In den letzten Jahren prägte die sommerlichen Berliner Grünflächen insbesondere ein Anblick: Die rasante Ausbreitung der Mäusegerste. Was so niedlich klingt, ist alles andere als mausig..

Bei der Mäusegerste handelt es sich um eine invasive Getreideart, die ursprünglich aus dem Mittelmeerraum kommt, sich aber im trockenen Stadtklima Berlins besonders wohl fühlt. Es liegt deshalb nahe, dass sich die Pflanze aufgrund der Klimakrise zukünftig noch mehr in Berlin ausbreitet und ihr Vorkommen eine Anpassungsstrategie im Biodiversitätsmanagement erfordert.

Das Problem an der massiven Ausbreitung der Mäusegerste: Die Verdrängung unserer heimischen Pflanzenarten. Die Mäusegerste siedelt sich in Berlin insbesondere nach dem ersten Rückschnitt durch die Grünflächenämter der Bezirke im Mai an. Alle vorher angesiedelten Pflanzen werden gemäht und was bleibt, ist der perfekte Ansiedelungsraum für invasive Getreidearten.

Die logische Konsequenz dessen wäre ein konsequentes Mähen dieser invasiven Arten, die die Besiedelung heimischer, ökologisch wertvoller Pflanzenarten verhindern.

Was so logisch erscheint, passiert jedoch leider nicht. Die Mäusegerste kann sich wundervoll ausbreiten, da die Berliner Bezirksämter nicht eingreifen – und somit stetig heimische Pflanzenarten verdrängen. Es erfolgt kein strukturelles Mähen und Entsorgen des Rückschnitts, was jedoch bitter nötig wäre. Stattdessen nimmt die Mäusegerste unseren heimischen Gräsern und Blühpflanzen den Raum – und somit auch vielen Insektenarten und Bienen, die für ihr Überleben auf pollenproduzierende Pflanzenarten angewiesen sind. Insbesondere in Zeiten des Klimawandels und Artensterbens spitzt dies die Situation in unserer Stadt weiter zu.

Doch die Mäusegerste ist nicht nur eine Gefahr für die heimische Flora, auch Mensch und Tier kann sie ernsthaft verletzen.

Insbesondere Hundebesitzer*innen werden die Problematik rund um die Grannen des Getreides kennen. Bei den Grannen oder Ähren der Pflanze handelt es sich um spitze Samenfortsätze der Getreidepflanzen, die mit starren, messerscharfen Widerhaken ausgestattet sind. Diese Grannen lösen sich bei Berührung von der Pflanze und setzen sich insbesondere im Hundefell fest, könnten jedoch auch in Pfoten eingetreten oder eingeatmet werden.

Das Problem daran ist, dass diese Grannen sich aufgrund ihrer Widerhaken nur in eine Richtung bewegen – ein Abschütteln ist fast unmöglich. Somit bohren sie sich immer weiter in die Haut, Gehörgänge, Pfoten oder Atemwege. Die Folge: Bindehautentzündung, Verletzung des Trommelfells, Schwellungen, und insbesondere, wenn die Granne lange unbemerkt bleiben, sind Operationen unter Narkose notwendig. Berliner Tierarztpraxen berichten die letzten Jahre von einer zunehmenden Häufigkeit an behandelten, schwerwiegenden Fällen von verletzten Hunden, einfach, da ein Rückschnitt durch die Berliner Grünflächenämter viel zu selten oder gar nicht erfolgt. Denn auch an Gehwegen, Kreuzungen und Hauseingängen siedelt sich diese invasive Pflanzenart zunehmend an.

Auch vulnerable Gruppen wie Kinder oder Allergiker*innen sind diesem Risiko ausgesetzt, denn auch der Kontakt mit menschlicher Haut kann Irritationen und Entzündungen hervorrufen. Insbesondere durch eine Gräserpollenallergie vorbelastete Personen sind gefährdet.

Das wichtigste jedoch ist: Die Gefahr für Mensch und Tier sowie Belastung für unser Ökosystem wäre vermeidbar!

 

Daher fordern wir:

 

  • Endlich ein aktives, bedarfsorientiertes Eingreifen durch die Grünflächenämter der Bezirksämter“ durch „Auskömmliche personelle, finanzielle und materielle Ausstattung der Grünflächenämter, um ein bedarfsorientiertes Eingreifen zu ermöglichen.

 

  • Die Entwicklung und Einführung eines berlinweiten Monitoring- und Kartierungssystems, das die Ausbreitung invasiver Pflanzenarten, wie der Mäusegerste dokumentiert. Eine öffentlichkeitswirksame Informationskampagne zur Ausbreitung und Bekämpfung der Mäusegerste und weiterer invasiven Pflanzenarten. Diese Kampagne soll sich an Kleingärtnerinnen, Landwirtinnen, Eigentümer*innen sowie Hausverwaltungen richten und praxisnahe Leitlinien zur sachgerechten Entfernung und Prävention beinhalten.

 

  • Ab Mai jeden Jahres ein regelmäßiges, intensives Mähen der Getreidearten wie Gerste und Hafer im öffentlichen Straßenland Berlins und auf Grünflächen sowie die sofortige Entsorgung des Schnittguts zur Vorbeugung von Verletzungen bei Mensch und Tier verstärkte Zusammenarbeit der Bezirksämter mit den angrenzenden Brandenburger Landkreisen und Städten, um eine koordinierte und wirksame Bekämpfung der Mäusegerste, etwa durch abgestimmte Maßnahmen, gemeinsame Erfassung- und Informationsstrukturen und einheitliche Entsorgungsleitung, insbesondere in den Randbezirken sicherzustellen.

 

  • Das Ziel ist die Wiederansiedlung ökologisch wertvoller Pflanzen, insbesondere pollenproduzierende Arten und somit eine gefahrenfreie Nutzung der Berliner Grünflächen für Mensch und Tier.